Wie junge Menschen mit Stoma ihren Alltag meistern und welche Gefühle sie haben

Youtuberin Hannah Witton, 26 Jahre alt, und Jana, 22 Jahre alt, sprechen über ihre Erfahrung mit einem künstlichen Darmausgang und über die Diagnose, wie es dazu kam. Beide hatten die Diagnose chronisch-entzündliche Darmerkrankung, auch Morbus Crohn genannt, und beiden ging es vor der Operation durch Schübe der Krankheit ziemlich schlecht, bis sich eine Operation und eine Anlage eines Enterostomas (künstlicher Darmausgang) nicht mehr verhindern ließen. Jetzt nach diesen, vor einiger Zeit zurückliegenden, chirurgischen Eingriffen geht es den jungen Frauen wieder gut. Allerdings in erster Linie nur körperlich, seelisch leiden beide unter der neuen Situation, mit der sie sich aber dennoch anfreunden können. Das Stoma war die lebesrettende Maßnahme in beiden Fällen. Die meisten Menschen, die einen künstlichen Darmausgang bekommen, sind älter als 40 Jahre alt und haben dann in vielen Fällen die Diagnose Darmkrebs erhalten. Nur vier Prozent der TrägerInnen sind jünger. Junge Frauen wie Hannah Witton („Ich kacke jetzt in einen Beutel“) werden aber immer selbstbewusster und tragen durch online-Aktionen dazu bei, dass die Gesellschaft über ein Leben mit einem künstlichen Darmausgang aufgeklärt wird und Unverständnis langsam abgelegt wird, denn es wird immer mehr Betroffene geben. Die Aufklärung auf Instagram und Co. kommt auch bei Maxi, 22 Jahre, die FAP, Familiäre Adenomatöse Polyposis hat, gut an. Sie steht kurz davor einen künstlichen Darmausgang zu bekommen, denn sie ist schon in sehr jungen Jahren erkrankt. Wenn sie kein lebensrettendes Stoma bekommt, wird sie zu 100 Prozent irgendwann an Darmkrebs erkranken. Sie versucht sich über Youtube-Videos und anderen online-Materialien mit einem Stoma anzufreunden, dem sie auch schon den Namen „Elsa“ gegeben hat. Sie hält Aufklärungsaktionen wie die von Hannah Witton für absolut richtig, weil die Gesellschaft lernen muss, dass jung nicht gleichzeitig gesund heißt. Die psychischen Belastungen sind zudem genauso schwerwiegend wie die körperlichen Symptome, erklärt Maxi, denn ein Drittel aller Morbus Crohn-Patienten leidet an Depressionen. Den Austausch mit Betroffenen eines künstlichen Darmausgangs hält sie für besonders wichtig, denn diejenigen, die mit ihrer Erkrankung offen umgehen, können lebensrettende Hilfsmittel wie etwa Stomabeutel für normal, vor allem in jungen Jahren, erklären. Stomabeutel zeigen zudem aber auch die Diversität von Schönheit auf, denn jeder Mensch kann einen für andere unsichtbaren „Makel“ haben oder tragen.

Quelle: (ze.tt)