Was sind medizinische Kompressionsstrümpfe und wann ist das Tragen sinnvoll?

Fast jeder Mensch kommt im Laufe seines Lebens mit Stütz- oder Kompressionsstrümpfen in Berührung, die Druck von außen auf die Venen ausüben sollen. Es gibt viele Hersteller von Stützstrümpfen, Sport-Kompressionsstrümpfen, Reisestrümpfen, und viele andere mehr, aber eine wissenschaftlich belegte Wirkung auf Venen und Venenklappen haben nur medizinische Kompressionsstrümpfe, die auch von Ärzten auf Rezept zweimal im Jahr verordnet werden dürfen. Der Kassenpatient hat dann Anspruch auf jeweils zwei neue Paare, weil die Kompressionskraft durch andauerndes Tragen und Waschen nachlässt (Gummizüge werden spröde, Zugkraft lässt dann nach). Medizinische Kompressionsstrümpfe und Strumpfhosen werden in vier unterschiedliche Kompressionsklassen eingeteilt, die sich im Grad des Druckes auf die Venen unterscheiden und so nachweislich den Blutfluss verbessern, aber auch Schmerzen verringern, Ödeme abschwellen und Entzündungen der Venenwand abklingen lassen. Sie müssen dafür nur täglich getragen werden. Am besten man zieht sie morgens direkt nach dem Aufstehen an oder aber noch auf der Bettkante.

Anti-Thrombose-Strümpfe werden bettlägerigen Patienten verordnet, die sich nicht bewegen können oder dürfen. Sie verhindern im Zusammenspiel mit thrombosehemmenden Arzneimitteln die Entstehung eines Blutgerinnsels oder Blutpropfs, auch Thrombus genannt, und wirken so der Thrombose entgegen.
Wer zu Krampfadern und venenbedingten Ödemen neigt, sollte auf den Rat der Venenexpertin Professorin Stefanie Reich-Schupke hören, und unbedingt medizinische Kompressionsstrümpfe am Tage tragen, die nach der sogenannten RAL-Norm klassifiziert sind. Normale Stützstrümpfe reichen bei einer ausgeprägteren Venenschwäche kaum, so die Fachfrau. Die medizinischen Kompressionsstrümpfe müssen danach in vielen Situationen getragen werden, da bestimmte Lebenslagen die Kompressionswirkung unbedingt erforderlich machen.

Zu diesen Ausnahmesituationen gehört die Schwangerschaft, weil 40 Prozent der schwangeren Frauen Krampfadern bekommen, die anschließend aber wieder verschwinden können. Durch den vermehrten Blutfluss sind die Beinvenen und damit die Venenklappen stärker belastet. Das Baby drückt mit seinem Gewicht auch zunehmend mehr auf die Beckenvenen und stört damit den Blutrückfluss. Um dies zu verhindern, sollten gerade Frauen mit einer Prädisposition für Venenleiden und Krampfadern Kompressionsstrümpfe tragen, die geschwollene Beine und Ähnliches verhindern. Ganz zu vermeiden sind die Symptome allerdings in vielen Fällen nicht, das ergab eine Studie. In der Regel verordnet der Arzt die medizinischen Hilfsmittel.

Bei Personen mit einer Venenschwäche sind medizinische Kompressionsstrümpfe auf jeden Fall indiziert, denn solche Patienten bekommen nicht nur ein Schweregefühl in den Beinen. Auch Krampadern und eine Thrombose könnten im schlimmsten Fall eintreten. Die Strümpfe machen Druck von außen, sodass der Blutfluss verbessert wird und die Venenklappen wieder besser schließen. Die Strümpfe oder Strumpfhosen müssen als Dauermedikation entweder präventiv oder therapeutisch zum Einsatz kommen, wenn der Arzt bereits eine Venenschwäche diagnostiziert hat. Reisestrümpfe, Sport-Kompressionsstrümpfe und anderes Material sind hier bereits nicht mehr ausreichend.
Personen, die Flüge, vor allem Langstreckenflüge ab sechs Stunden, gebucht haben, sollten sich auch je nach diagnostischem Krankheitsbild Kompressions- oder Stützstrümpfe zugelegt haben und diese im Flugzeug tragen, damit die Wadenmuskelpumpe richtig funktioniert, was im Sitzen mit angewinkelten Beinen nicht der Fall ist. Zudem sollte in der trockenen Luft viel getrunken werden, damit keine zusätzlichen Probleme auftreten. Auch ist regelmäßige Bewegung auf engstem Raum angezeigt, um den Blutrückfluss zu regulieren, denn eine Thrombose soll unbedingt vermieden werden. Schwellungen und Schmerzen im Bein und Hautverfärbungen sind ein Zeichen, dass Stauungseffekte eingesetzt haben, die thrombolytisch zu behandeln sind.

Beim Sport tragen viele Ausdauer-Läufer Sport-Kompressionsstrümpfe, deren Wirkung nicht wissenschaftlich belegt ist. Allerdings könnte das Verletzungsrisiko verringert werden und die Regenerationszeit verkürzt werden. Das Tragen medizinischer Kompressionsstrümpfe ist nur bei Ausdauer-Sportlern mit einem Lymphödem indiziert. Tragen Gesunde einfache Stützstrümpfe, dann ist der positive Effekt nicht sehr groß, so glauben Wissenschaftler.

Quelle: Apotheken-Umschau.de