Versorgungsengpässe bei der Stoma-Versorgung

Der Bundesinnenverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) als Vertreter des orthopädischen Handwerks mit 2.500 angeschlossenen Sanitätshäusern und orthopädischen Werkstätten, in denen 40.000 Beschäftigte 20 Millionen Patienten, also gut ein Viertel der deutschen Bevölkerung, mit Hilfsmitteln beliefern, sieht die flächendeckende Hilfsmittelversorgung laut einer bundesweiten Befragung „Corona-Auswirkungen 2020“ ihrer 600 Mitgliedsbetriebe gefährdet. Sie fürchten nicht nur Umsatz- und Auftragseinbrüche, sondern auch Kurzarbeit, Kündigungen von Mitarbeitern und sogar Betriebsschließungen mit 8,8 Prozent der Befragten. Des Weiteren könnte der Mangel an Schutzmaterial, auch zum Eigenschutz, zu Problemen führen. Das Schlimmste aber ist, dass sich Lieferengpässe nicht nur auf die Schutzausrüstung auswirken könnten, sondern auch auf die qualitätsgesicherte Versorgung der Patienten, von denen unter Umständen ganze Produktgruppen betroffen sein könnten, denn fehlende Handelsware oder aber Materialien könnten die Lieferfähigkeit beeinträchtigen, wie die Befragung zwischen dem 6. und 15. April ergab. Die Engpässe könnten demnach vor allem Inhalations- und Atemtherapiegeräte der Produktionsgruppe (PG) 14 betreffen, aber auch Krankenpflegeartikel (PG 19), Pflegehilfsmittel (PG 50, 51, 53) sowie zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel der PG 54.

Die Betriebe versuchen demnach aber ihrer Versorgungspflicht nachzukommen, um Lieferengpässe auszuschliessen, die es bislang im Bereich der Orthosen und Schienen in der PG 23 sowie Arm- und Beinprothesen (PG 38 und 24) noch nicht gibt. Aber auch Brustprothesen, Inkontinenzhilfen, Einlagen, Hilfsmittel zur Kompressionstherapie und vieles andere wie Stomaartikel sind noch nicht von einer Beeinträchtigung der flächendeckenden Hilfsmittelversorgung betroffen. Wenn man sich nur einmal das Beispiel eines Stoma-Trägers herausgreift, wäre es undenkbar, dass eine Gefährdung der Lieferfähigkeit mit Engpässen, auch die Versorgung der Menschen mit künstlichem Darmausgang beispielsweise gefährdet. Enterostoma-Patienten sind auf die Versorgung mit Hilfsmitteln genauso angewiesen wie andere Patienten, die schwere Krankheiten und Unfälle überstanden haben. Stoma-Patienten benötigen zu ihrer Versorgung Stomabeutel und andere Hilfsmittel, die ihnen unter anderem Sicherheit und Flexibilität verleihen. Die Beutel, die den Stuhlgang auffangen müssen, weil der natürliche Auscheidungsvorgang nicht mehr funktioniert, sind nur ein Teil einer qualitätsgesicherten täglichen Versorgung. Die Branche macht sich aber auch Sorgen, dass Patienten wegen der Kontaktbeschränkung durch Sars-CoV-2 vielleicht nicht mehr der eigenen Versorgung in entsprechendem Umfang nachgehen und diese verschleppen. Das wäre ebenso riskant wie Lieferengpässe der konservativ-technischen Versorgung vor und nach Operationen wie nach Darmkrebs-Operationen zum Beispiel. Sanitätshäuser und Homecare-Versorger versuchen aber alles, um die Hilfsmittelversorgung in allen Bereichen zu gewährleisten, heißt es aus Kreisen der Versorger, die ein allzeit hohes Engagement zeigen.