Operationen mit künstlichem Darmausgang wegen Corona-Pandemie verschoben

Menschen, die vor der Covid-19-Erkrankung, an Krebs erkrankt waren, fanden eine bessere Situation vor als Menschen, bei denen momentan in der Krisensituation die Diagnose Krebs gestellt wurde oder wird, denn zur Zeit geht es auch bei Krebserkrankungen nach Dringlichkeit und Notwendigkeit, weil die Hälfte aller Operationssäle geschlossen wurde, um Intensivbetten für Corona-Patienten freizuhalten. Das könnte ungeahnte Folgen haben, glauben einige Experten, weil das Aufschieben von Operationen eventuell zu schlechteren Prognosen des Überlebens führen kann. Allerdings werden beispielsweise Darmkrebsoperationen nur dann verschoben, wenn sie nicht lebensrettend sind, wie der Fall der 58-jährigen Christiane Stark (Name von der Redaktion geändert) zeigt. Sie hat eine Darmkrebsoperation im letzten Jahr gut überstanden. Dabei wurde der Patientin allerdings ein künstlicher Darmausgang, der auch als Stoma bezeichnet wird, gelegt, um zur Heilung der Operationsnähte besser beitragen zu können. Allerdings war für den 27. März dieses Jahres die chirurgische Rückverlegung geplant, die nun verschoben ist, weil die Patientin wegen des Coronavirus und der damit frei bleibenden Bettenkapazitäten nicht operiert werden kann.

Darmkrebs-Operationen haben in der Covid-19-Krise einfach Vorrang vor Rückverlegungen des künstlichen Darmausgangs, weil die Situation für Frau Stark nicht lebensbedrohlich und die Operation nicht lebensrettend ist. Die Patientin hat nach Ansicht der Ärzte lediglich ein eingeschränktes Leben durch den Verlust der momentanen Lebensqualität zu tolerieren, sodass sie mit dem künstlichen Enterostoma auch noch mehrere Monate leben kann, ohne dass ihr Leben bedroht sein wird. Sollte es allerdings zu Entzündungsreaktionen kommen, würde eher eingegriffen werden müssen. Die Patientin mit dem künstlichen Darmausgang muss sich daher in Geduld üben, die sie allerdings nicht hat, weil der Stomabeutel zwickt und piekt.

Die Absage der Operation war für die Patientin nach eigener Aussage schlimmer als die Krebsdiagnose, deshalb schrieb Christiane Stark an ihren behandelnden Oberarzt, mit der Bitte um einen raschen Operationstermin zur Rückverlegung des künstlichen Darmausgangs in den „Normalzustand“ vor der Krebs-Operation. Das Patientenmanagement der Universitätsklinik Erlangen versprach ihr nun einen neuen Termin für Ende April, sollte sich in der Corona-Krise keine Verschlechterung einstellen und die Kapazität der Intensivbetten gleich bleiben. Christiane Stark hofft nun, dass ihr Wunsch auf eine baldige Beruhigung der Situation und eine chirurguische Behandlung im Krankenhaus in Erfüllung geht.