Künstlicher Darmausgang

Für den künstlichen Darmausgang gibt es eine Reihe von Bezeichnungen. Er wird mit dem Fachbegriff auch als Enterostoma oder einfach nur als Stoma bezeichnet. Die Begrifflichkeit Stoma ist allerdings die Bezeichnung für drei verschiedene künstliche Ausgänge von Hohlorganen. Neben dem Enterostoma gibt es nämlich noch das Tracheostoma (Stoma der Luftröhre) und das Urostoma (chirurgisch herbeigeführte Ausleitung des Urins). Außerdem wird der künstliche Darmausgang auch als Anus praeter naturalis oder in Kurzform Anus praeter bezeichnet. Beim Stoma des Darms unterscheidet man generell zwei Arten. Man spricht vom Ileostoma als künstlichen Ausgang des Dünndarms und vom Kolostoma, das ist die chirurgische Öffnung des Dickdarms an der Oberfläche des Bauchs.

Es gibt zwei Indikationen, weshalb man eine chirurgische Öffnung des Hohlorgans Darm nach aussen auf die Hautoberfläche des Bauchs herbeiführen muss. Stuhl und Darmgase müssen umgeleitet werden, wenn die Passage des Darms für immer behindert ist, weil beispielsweise ein bestimmter Darmabschnitt entfernt werden musste, oder aber, weil der Darmabschnitt für eine Weile zur Ruhe kommen muss und geschont werden muss, weil beispielsweise OP-Nähte heilen müssen. Dann unterscheidet man zwischen permanenten Stomata (Mehrzahl von Stoma) und temporären Stomata. Diese werden notwendig, wenn der Betroffene an einem bösartigen Tumor erkrankt ist, wie an Dickdarm,- Dünndarm- oder Mastdarmkrebs. Über 70 Prozent dieser Fälle bedingen ein Stoma. Aber auch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder die Divertikulitis als Diagnose machen einen chirurgischen Eingriff in 21 Prozent aller Fälle notwendig. Sieben Prozent haben eine genetische Prädisposition, bei der sich massenhaft Polypen, die zu Krebs entarten, entwickeln können. Die Erkrankung heißt familiäre adenomatöse Polyposis, kurz FAP. OP-Komplikationen und Unfälle fallen auch unter diese Kategorie.

Wie schon oben erwähnt, gibt es zwei Arten von Stomata, Ileostomata und Kolostomata. Das Kolostoma unterteilt sich wiederum in drei Unterarten, die in Abhängigkeit vom Gebiet, in dem sie chirurgisch angelegt werden, unterschieden werden. Das Transversostoma bezeichnet einen künstlichen Darmausgang im quer verlaufenden Teil des Dickdarms. Es liegt in der Regel im rechten Oberbauch. Zökostomata befinden sich im Bereich des rechten Unterbauches, des Blinddarms, und Sigmoidostomata im Bereich der s-förmigen Kurve des Dickdarms im linken Unterbauch. Ein dauerhaftes oder permanentes Stoma wird in der Regel endständig angelegt, das heißt, dass der Darm komplett durchtrennt und der gesunde Teil an die Bauchöffnung angenäht wird. Der zum After stillgelegte Teil wird verschlossen. Der Darminhalt wird über die endständige Bauchöffnung nach aussen abgegeben. Beim doppelläufigen Stoma wird eine Darmschlinge, die nur zu zwei Drittel durchtrennt wird, nach aussen durch die Bauchdecke gezogen und so an der Bauchdecke befestigt, dass die beiden entstandenen Darmöffnungen nebeneinander liegen. Eine Stomarückverlegung bei dieser doppelläufigen Form ist nach kompletter Abheilung von Entzündungen oder OP-Nähten jederzeit möglich, sodass der Patient wieder ganz normal Stuhlgang über den After (Anus) mit Schließmuskel lassen kann. Meistens befindet sich ein endständiges Ileostoma im rechten Unterbauch, das Kolostoma zumeist auf der linken Bauchseite. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

Stoma-Versorgung

Künstlicher Darmausgang


Ein künstlicher Darmausgang bedingt gleichzeitig, dass Patienten den Stuhl, der in unterschiedlicher Konsistenz vorliegt, je nachdem, wo das Stoma chirurgisch angelegt wurde, nicht halten können, das heisst, dass den Betroffenen die Kontinenz verloren geht. Das nach aussen fixierte Darmende, das über die Bauchwand hinausragt, muss mit Stomabeuteln verschiedener Hersteller versorgt werden. Das Beutelsystem besteht dabei aus einer Basisplatte und einem Stomabeutel, der den Darminhalt auffängt. Die Basisplatte besteht dabei aus einem Material mit Hautschutzfunktion und Klebeeigenschaften. In der Mitte befindet sich die Öffnung, durch die der Darminhalt in den Stomabeutel gelangt. Es gibt Versorgungen, die einteilig und auch zweiteilig sind. Bei einteiligen Systemen bilden Hautschutzplatte und Beutel eine Einheit, zweiteilige Systeme sind durch einen Rastring miteinander verbunden. Hierbei muss nur der Beutel, nicht das gesamte System, ausgewechselt werden, wenn der Beutel voll ist. Stomakappen verschließen bei zweiteiligen Systemen während des Schwimmens beispielweise die Öffnung und sind relativ unauffällig unter Badebekleidung. Die meisten Stomabeutel enthalten zusätzlich Aktivkohlefilter für eine verminderte Geruchsbelästigung durch Darmgase. Bei den Beuteln unterscheidet man zudem zwei Arten: Die unten geschlossenen Kolostomiebeutel eignen sich für Kolostoma-Patienten, weil nicht kontinuierlich Stuhl abgegeben wird wie bei nach unten geöffneten Ausstreifbeuteln, die auch als Ileostomiebeutel bezeichnet werden, weil der Dünndarm ständig Stuhl nach aussen abgibt, der auch von der Konsistenz flüssiger ist.


Stoma FAQ

Das Stoma bzw. der künstliche Darmausgang wird bereits im Operationssaal mit entsprechendem Material versorgt. In den folgenden Tagen wird Sie das Pflegepersonal und in den meisten Fällen auch eine Stomatherapeutin bei der Stomaversorgung unterstützen und zur selbstständigen Versorgung anleiten. Möglicherweise folgt dem stationären Aufenthalt im Krankenhaus eine Rehabilitation, die speziell für Stomaträger zugeschnitten ist und es Ihnen ermöglicht, aus verschiedenen Stomaprodukten, die am besten passende Variante für Sie auszusuchen und die Stomaversorgung im Alltag zu erleichtern.

Im Internet bekommen Sie Adressen von Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe.

Aber auch durch SmartHomecare können Sie Unterstützung und telefonische Beratung bei Ihrer Stomaversorgung bekommen.

Zunächst benötigen Sie eine Verordnung vom Arzt, also ein Rezept, damit Ihre Krankenkasse die Kosten übernimmt. Die gesetzliche Krankenversicherung erstattet dann SmartHomecare, nach vertraglicher Vereinbarung, die vereinbarten Kosten. Die Kosten werden übernommen, so lange die Hilfsmittel ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind. Zusätzliche Produkte, wie zum Beispiel Geruchsbanner, müssen in der Regel vom Stomaträger selbst gezahlt werden.

Die Zuzahlungen belaufen sich auf 10% pro Monat, jedoch nicht mehr als 10,00 €. Die Grenze zur Befreiung von der gesetzlichen Zuzahlung, liegt für Stomaträger bei 1% der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt. Sollten Sie weitere Fragen zur Kostenübernahme haben, wenden Sie sich am besten an Ihre Krankenkasse.

Die Basisplatten, die einen Hautschutz beinhalten, haften auf der unbehandelten Haut am besten. Bei gereizter Haut können aber spezielle Hautschutz Cremes hilfreich sein. Der Arzt muss in der Verordung die medizinische Notwendigkeit klar formulieren, damit die Krankenkasse die Kosten für zusätzliche Produkte übernimmt.

Der Wechsel der Stomaversorgung sollte zu einer Tageszeit stattfinden, zu der möglichst wenig Entleerungen zu erwarten sind. Der Beutel sollte in einem Rhythmus gewechselt werden, in dem man möglichst sicher gehen kann, dass er nicht überläuft und undicht wird.

Der Wechsel der Basisplatte muss unbedingt erfolgen, wenn sie nicht mehr richtig haftet und sich abzulösen beginnt. Der Hautschutz ist dann nicht mehr sicher gegeben und aggressive Bestandteile der Ausscheidungen können die Haut schnell reizen und sogar eine Entzündung auslösen. Feste Wechselintervalle sind nicht notwendig.

Ausstreifbeutel sollten zunächst in die Toilette entleert werden. Es ist empfehlenswert, eine Plastiktüte zur Entsorgung unterhalb des Stomas bzw. des künstlichen Darmausganges in den Hosenbund zu stecken. Dann kann das entfernte Material direkt sauber dort hinein entsorgt werden. Die Stomaplatte wird vorsichtig, an einer Ecke beginnend, abgezogen. Eventuell können Pflasterentferner dabei hilfreich sein. Anschließend wird die Tüte mit den benutzten Materialien zugeknotet und im Restmüll entsorgt.

Das Stomamaterial sollte trocken und bei normaler Raumtemperatur (ca. 20° C) gelagert werden. Da andernfalls das Haftmaterial seine Haftfähigkeit verlieren kann, sollte auf eine Lagerung im Badezimmer, im Sonnenlicht auf der Fensterbank oder über einer Heizung, verzichtet werden. Auf Reisen in sehr warme Gebiete, sollte das Haftmaterial gekühlt werden.

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Weiterführende Informationen:

Leben mit einem künstlichen Darmausgang
Künstlicher Darmausgang: Was Stoma-Träger beim Sport beachten sollten

Merkmale und Hilfsmittel der Stoma Homecare-Versorgung


photo credit: christianchapman568 Things You May Need To Know About Your Ostomy Pouching System & Supplies via photopin (license)