Für Stoma-Patienten: Dünndarmkrebs unterscheidet sich von Dickdarmkrebs erheblich

Dünndarmkrebs ist im Gegensatz zu Dickdarmkrebs eine relativ seltene Krebserkrankung mit einem Anteil von nur fünf Prozent der Darmkrebserkrankungen. Auch wird Dünndarmkrebs meist erst relativ spät entdeckt, wenn der Patient über Blutungen, Bauchschmerzen, Übelkeit oder einer Mischung aus Verstopfung und Durchfall klagt. Wird dann bei einer Dickdarm-Koloskopie nichts Auffälliges entdeckt, führt die Suche zum Dünndarm. Es kann aber auch sein, dass der Tumor schon so groß ist, dass es zu einem Verschluss des Dünndarms, der 5 Meter lang ist und in drei Teile gegliedert ist, kommt. Dann ist der Patient ein absoluter Notfall und muss schnellstens operiert werden. Dickdarmkrebs ist in den meisten Fällen Ursache eines Adenokarzinoms, Dünndarmkrebs hingegen entsteht in 50 Prozent der Fälle aus hormonbildenden Zellen. Es entstehen sogenannte Neuroendokrine Tumore, kurz NET. Entsteht der Tumor aus Bindegewebe des Magen-Darm-Traktes, dann heissen die Tumore Gastrointestinale Stromatumore (GIST), die einen kleineren Teil der Tumore des Dünndarms ausmachen. In wenigen Fällen entstehen aber auch wie beim Dickdarm Adenotumore, die erblich, also familiär bedingt sind und bei Menschen, die eine Familiäre Adenomatöse Polyposis (FAP) aufweisen, vorkommen können. Dann entstehen Polypen im Dickdarm, aber auch unter Umständen im Dünndarm, die operativ entfernt werden müssen. Die Prognose des Adenokarzinoms ist schlechter als die der NET und GIST. Patienten mit einer familiären Bereitschaft (Prädisposition) sollten immer über entsprechende Vorsorgeuntersuchungen nachdenken, denn die Prognose im fortgeschrittenen Stadium ist schlechter und somit auch die Entdeckung.

Es stehen Untersuchungsmethoden in der Diagnostik zur Verfügung, die in der Dickdarm-Prävention nicht zum Einsatz kommen. Eine MRT- und CT-Untersuchung, aber auch eine Kapselendoskopie sind hier die diagnostischen Methoden der Wahl sowie die recht aufwendige Dünndarmspiegelung. Als Auslöser dieser Krebsarten im Dünndarm werden Schadstoffe in der Nahrung diskutiert, die aber meist eine geringere Kontaktzeit im Dünndarm haben, weil der Nahrungsbrei in diesem Bereich dünn und nicht zähflüssig ist. Die geringe Kontaktzeit bei der Dünndarmpassage scheint auch die geringe Empfänglichkeit dieser Krebsart zu erklären, vermuten renommierte Gastroenterologen und Onkologen wie Ulrich Graeven, Chefarzt am Krankenhaus Maria Hilf in Mönchengladbach. Die Therapie des Dünndarmkrebses ist demnach in erster Linie eine Operation der verschiedenen Arten der Dünndarmtumore, auch weil der Dünndarm sehr lang ist. Aus diesem Grund wird auch in den meisten Fällen kein künstlicher Darmausgang (Enterostoma) notwendig, weil man Teile des Dünndarms einfach fehlen lassen kann. Allerdings sollte je nach fehlendem Abschnitt genau geschaut werden, welche Funktionen der Dünndarm an dieser Stelle hatte und welche Nahrungsbestandteile darüber aufgenommen wurden. Es kann nämlich sein, dass der Dünndarm, der in erster Linie Kohlenhydrate aufspaltet, an dieser Stelle auch Vitamine und Mineralstoffe absorbiert hat, die nach der Operation ersetzt werden müssten. Den Mangel kann man aber durch entsprechende Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel beheben, erklärt der Gastroenterologe.

Die Behandlung des Tumors, auch mit Medikamenten, richtet sich ansonsten nach der Art des entstandenen Krebsgeschwüres, das aufgrund von entarteten, sich schnell vermehrenden Zellen entstanden ist. Personen mit einer genetischen Prädisposition für Polypen wird empfohlen, regelmäßige entsprechende Vorsorgeunterschungen wahrzunehmen, die auch die Schleimhaut des Dünndarms untersuchen, denn normale Magen-Darmspiegelungen erfassen jeweils nur den oberen und unteren Bereich des Dünndarms, sodass fast fünf Meter nicht betrachtet werden können. Anderen Personen sei empfohlen, sich gesund zu ernähren und genügend zu bewegen. Auch sollte grundsätzlich auf Rauchen verzichtet werden und kein Alkohol oder weitgehend kein Alkohol getrunken werden, um alle Risikofaktoren für Dünndarmkrebs zu berücksichtigen und auszuschließen.